Ungewöhnlich, dass das so lange gedauert hat – aber so ist das Leben – manchmal kommen Dinge dazwischen, die man nicht, oder nur bedingt beeinflussen kann. Nichtsdestotrotz wollten wir doch ein paar Sätze zu unserem “Kärnten-Ausflug” schreiben…soll ja nicht in Vergessenheit geraten…
Im Juli hatten wir ad-hoc nach einer Hütte gesucht – möglichst fernab aller Zivilisation -und wurden beim Peter mit der Lindlerkasa fündig. Eine Woche Ende August war noch frei – also gebucht. Die Hütte passte auf alles was wir wollten – hoch, einsam, nur mit Geländevehikel zu erreichen.
Um das Problem mit der Akklimatisierung für Anja zu umgehen haben wir uns diesmal für drei Tage vorher in der Ramsau bei Hannes einquartiert. Auf 1300m konnte man sich etwas an die 2000m gewöhnen, die uns auf der Hütte zu erwarten hatten.
Nach einem grosszügigen Einkauf im Ramsauer Billa ging es dann Sonntags über die Tauernautobahn und die Landstrasse Richtung Lienz zum Glockner. Spät nachmittags kamen wir beim Peter an, und sein Filius leitete uns den Weg auf seinem Cross-Moped. Alleine der Aufstieg ins Astental war mit 16% schon üppig. An der AV-Hütte endete dann der asphaltierte Weg und es ging über eine Schotterpiste bis zum letzten Bauernhof. Zwischendurch hatten sich noch zwei Kumpels von Peters Filius dazugesellt – einer mit Gelände-Moped, einer mit Quad. So ging es dann durch den Bach und den “Viehtreck” hoch zur Kasa. Anja bekam schon Muffensausen ob der Seitenneigung – aber der Dicke zog lässig die mehr als 20-prozentige Steigung hoch.
An der Hütte angekommen fing der Urlaub erst richtig an – ein traumhaftes Panorama versüsste einem das Abladen vom “Dicken”. Die Hütte war geräumig und bequem – und wir hatten sogar Dusche und WC “In-House” – welch ein Fortschritt…und genug Holz war auch vorhanden – wir ahnten noch nicht wie wichtig das werden würde ;-)
Am nächsten Tag war es etwas trüb – nicht dramatisch, weil sich Anja eh erst mal an die Höhenluft gewöhnen musste. Ein paar kurze Trips mit den Jungs unternahm ich aber dennoch, um ein wenig die Gegend zu erkunden.
In der Nacht fing es kräftig an zu regnen – das prasseln auf den Dach hörte aber irgendwann auf – klar – denn aus Regen wurde Schnee – ha ha – am Morgen dann die Überraschung: Die ganze Hütte lag unter 35cm Neuschnee – auha – und die Schneeketten wider besseren Wissens doch nicht eingepackt. Etwas ungläubig liefen wir bei Minus 5 Grad durch den frischen Schnee. Der Dicke guckte nur noch verstohlen aus seindem neuen weissen Kleid und die Kälber sahen auch nicht grad begeistert aus. Einzig die Jungs hatten einen Mordsspass – endlich wieder geiles weisses Zeugs…
Da wir natürlich auch keine Schneeschuhe dabei hatten war gar nicht dran zu denken die Hütte grossartig zu verlassen. Zum Glück hatten wir ein altes Transistorradio, einige Bücher und zwei Kisten Proviant dabei….die Woche könnte ja vielleicht länger werden als geplant…
Am Folgetag riss es hier und da mal ein bisschen auf und tagsüber kratzte das Thermometer auch mal knapp an der Null-Grad-Marke, so dass etwas von dem schönen Schnee auch begann abzuschmelzen – man konnte die 0-Grad-Grenze förmlich am Terrain ablesen – knapp 300 Meter unter uns kam schon wieder etwas Grün zum Vorschein – wir nutzten das also mal um Richtung AV-Hütte zu wackeln um wenigstens mal ein Lebenszeichen abzusetzen, denn Handy-Empfang auf der Hütte gab’s “goa net”.
Für den nächsten Tag hiess es im Radio Kaiserwetter – also planten wir mal eine kleine Tour, die man im Sommer locker in 5-6 Stunden gehen konnte. Naja – ging ja auch unterhalb der 2000 Meter – aber oberhalb – noch mal “ha ha” – ohne Schneeschuhe war das eher eine Fährtensuche wo der Weg sein könnte. Hier und da verschlug es einen doch in eine Verwehung und man stand bis zum Hintern im Tiefschnee. In Höhe des Gratweges Richtung Mohar-Gipfel auf 2400m mussten wir aber einsehen, dass der Weg zum Gipfel auf 2600m wegen Vereisungen an diesem Tag und dank fehlender Ausrüstung keinem Zweck hat – und so liefen wir anstattdessen auf der Nordseite des Mohar herum. Das ganze dauerte dann 9 Stunden – und – naja – zu wenig Sonnencreme ? Wir hatten beide einen Gletscherbrand vom feinsten. Womit natürlich der folgende Tag mit ebensolchem Kaiserwetter im Schatten vor der Hütte verbracht wurde…der einzige Aufreger des Tages war ein Kalb, das sich 500m oberhalb der Hütte das Genick gebrochen hatte – ein Wanderer hatte es liegen sehen und uns informiert.
Da dort oben kein Telefon funktionierte gab ich ihm die Nummer vom Peter, damit er diesen von der AV-Hütte aus herbeirufen konnte. Der kam auch nach knapp 2 Stunden und wir beratschlagten wie wir das Kalb aus dem steilen Gelände herunter bekommen. Mit seinem Traktor kam er zwar schon recht nah heran, aber es fehlten noch gut 50 Meter durch grosse Findlinge hindurch. Da er nichts zum bergen dabei hatte, lief ich zur Hütte und holte Seil und Karabiner, mit dem wir das Kalb über einige Umlenkungen gerade so noch an den Traktor bekamen. Während Peter so langsam er konnte Zug auf’s Seil gab, versuchten ein Freund von ihm und ich das Kalb möglichst auf dem schmalen Pfad zu halten. Nach einer halben Stunde hatten wir das arme Tier endlich so weit, dass er es am Stall vor der Hütte mit der Gabel in den Hänger heben konnte. Leider konnte der Tierarzt nur noch feststellen, dass das Kalb einen doppelten Genickbruch hatte.
Der Versuch am Folgetag den Sadnig zu knacken scheitere auf vergleichbarer Höhe wie zwei Tage zuvor. Nachdem wir den steilen Weg hinter unserer Hütte emporgeklommen waren und den Weg über die kleine Hochebene bis zum letzten Wegkreuz hinter uns gebracht hatten, standen wir abermals bis zu den Knien im Tiefschnee und dazu kündigte sich noch schlechteres Wetter aus Richtung Grossglocker an. Sinnvollerweise bedeutete dies natürlich den direkten Abstieg Richtung Sadnighaus, wo wir uns dann wenigstens den Bauch vollschlugen.
Auf dem Rückweg zuckelten wir gemächlich mit 4-5km/h den Berg herunter – langsam genug um auf den Weg zu achten und noch einmal die wunderschöne Gegend auf sich wirken zu lassen. Als wir nach fast einer Stunde unten bei Peter waren erzählte uns der noch das oben geschilderte Resultat und gab uns als Dank noch einen riesigen Schinken mit auf den Weg – den hätte es nicht gebraucht, denn dort oben haben wir gelernt, dass Hilfe keine Frage der Gegenleistung ist…
Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr noch mal dahin – vielleicht auch mit besserem Wetter – und wenn nicht, dann aber mit schneetauglicher Ausrüstung ;-)

