Kalt war es an diesem Morgen – und der Nebel zog aus dem Tal hoch zu unserer Hütte – oder auch nicht – denn am Abend zuvor hatten wir uns in den Reiseführer eingelesen. Da war das zu lesen, was wir nun tatsächlich vor Augen hatten – und es erklärte sich von selbst – zwischen Wolken und Nebel gibt es hier oben keinen Unterschied. Daher wohl gibt es im Romontsch keine zwei verschiedenen Wörter dafür – nur nivla.
Frühstück auf der Terasse wäre etwas kühl gewesen, also verlagerten wir das nach drinnen. Es mag vielleicht 14°C gehabt haben – und Anja ging es nicht so wirklich gut – sie kämpfte noch ein wenig mit der Höhenanpassung.
Den Tag über sollte sich das auch kaum legen, also vertiefte ich mich erstmal in das Buch “In eisigen Höhen” von Jon Krakauer, was mir der Claus vor Monaten geliehen hatte – nun kam ich endlich mal zum Lesen – man soll ja in allem etwas positives sehen.
Wann immer es nicht regnete setzte ich mich nach draussen, um zum einen etwas mehr Licht zu haben (denn etwas dunkel war’s in der Hütte schon), und zum anderen wollte ich die Luft hier oben auf jeden Fall geniessen.
Gegen Nachmittag wurde es aber richtig kühl in der Hütte, so daß ich beschloss “Omas Ofen” anzuheizen. Leichter gesagt als getan – Anzünder gab’s keinen, nur den Rest Zeitung von zu Hause. Und irgendwie kriegte man auch keinen richtigen Zug auf die Feuerstelle.
Anja kroch gehen vier dann auch aus ihrem Bett und versuchte sich ebenfalls am Ofen. Mit geöffneter Aussentür gelang es ihr dann das Ding endlich anzuheizen…tja, das sind dann die wirklichen Probleme, um die man sich Sorgen machen muß…dagegen verblassen dann die kleinen Alltagsprobleme von zu Hause, weil frieren möchte man hier oben nun nicht wirklich gerne.
Als wir uns etwas aufgewärmt hatten ging es dann auf eine kleine Runde über unseren kleinen , wolkenverhangenen Berg. Die Aussicht war doch sehr begrenzt – durch ein kleines Wolkenfenster konnte man gerade so Disentis 500m unter uns erkennen. Auch die Medelserschlucht konnte man auf dem Rundweg nur begrenzt erkennen – aber wenigstens waren wir unterwegs.
Angenehm war auf jeden Fall, daß die Wanderwege hier – im Gegensatz zu unseren Wanderhighways im Siebengebirge – diese Bezeichnung auch verdienten. Schmale, kaum ausgetretene Pfade schlangen sich am Berg entlang. Man hatte wirklich das Gefühl in der Natur zu sein…
Am Ende des Pfades wartete Mutschnengia auf uns, wo wir uns auf ein Bierchen zu Herrn Venzin ins Hotel Cuntera setzten, und uns ein wenig angeregt mit ihm unterhielten. So gestärkt konnten wir uns dann aufmachen um wieder die fast 300 Höhenmeter hoch zu unserer Hütte zu stiefeln. Was wir am Vortag mal eben schnell in fünf Minuten hochgefahren waren, zog sich nun doch recht anstrengend den Asphaltweg hinauf.
Zu dumm, daß wir erst später herausgefunden haben, daß sich ein kleiner netter Wanderweg entlang der Schlucht hochzieht, die unsere Hütte vom Bienenhüsli trennte – der wäre etwas anstrengender, aber landschaftlich reizvoller gewesen.
Dank der Wolken war es abends auch nicht gerade lange hell, so daß wir bei schwindendem Tageslich gerade mal bis neun imstande waren etwas in unseren Büchern zu lesen. Aber wir waren ohnehin müde – die frische Bergluft forderte ihren Tribut…

