Passo Colombe – oder wolkig mit Schauern

Der Camoghé in den Wolken…ja, wolkig mit Schauern – das war die Vorhersage, die uns Rolf per SMS am Tag zuvor zugeschickt hatte. Also wollten wir und auch unverdrossen in unseren ersten Wandertag begeben – denn Schauer – ok, das kann man ja wohl ab – wusste ja noch keiner, daß wir Dauerregen, Hagel und Gewitter zu erwarten hatten…

Wir fuhren morgens mit dem Auto bis zum Lukmanierpass auf fast 2000m herauf. Über das gesamte Val Medel hing ein einziger Wolkenschleier. Auf der Passstrasse konnte man nicht einmal den Stausee Sontga Maria erkennen, so dicht war die Suppe.

Durch das Val TermineAuf der Passhöhe war unser Wagen demnach auch der einzige PKW auf dem Parkplatz. Optimistisch wie wir waren, machte wir uns dennoch auf den Weg entlang des Stausees. Leon und Paul freuten sich endlich wieder auf Achse sein zu können und erkundeten im Nebel – ach pardon – in den Wolken das Gelände.

Am Stausee war die Strecke noch ein wenig trist, wandelte sich aber just in dem Moment, als wir links in das Val Termine abbogen. Hier zog sich der Weg über einen steinigen Pfad relativ sanft hoch zum Passo dell’Uomo. Links und rechts rauschte das Wasser an einem vorbei, und irgendwie war es schade, daß man das dazu passende Bergpanorama nicht einsehen konnte – die Sichtweite lag bei 50-100m…

Anja im Aufstieg zum Passo dell\'UomoWir waren auf den Spuren des Rheines – ok, hier oben ist irgendwie alles Rhein, aber spannend war es dennoch zu sehen, wie aus dem Bach ein Rinnsal wurde, daß letztendlich aus einer sumpfigen Bergwiese zu entspringen schien.

Hier oben, auf dem Passo dell Uomo waren wir an der Wasserscheide angekommen. Irgendwie hatte das am heutigen Tag eine gewisse Doppeldeutigkeit, weil wir mittlerweile schon in den Regenklamotten steckten. Aber um der geographischen Besonderheit gerecht zu werden: Wir standen auf einem Grat – und man wusste, daß alles Wasser links von einem Richtung Adria fliesst, alles rechts davon Richtung Nordsee – schon etwas bewegendes…

\'Rheinquerung\'Nun ja – geographische Euphorie beiseite – hier oben gab’s das erste Firnfeld – und nichts andere hätte Leon und Paull glücklicher machen können, hatte man den Eindruck. Es goß aus Kübeln, und die zwei suhlten sich im Schnee – wie einfach man die zwei doch glücklich machen kann. Und dabei sollte es nicht das letzte gewesen sein…

Der Weg hoch auf den Passo Colombe zog sich zwar lang, aber relativ unspektakulär hin. Oben erwartete und ein kleiner lauschiger See. Bei besserem Wetter der ideale Picknickplatz – für Leon und Paul ein Platz zum schwimmen…und dabei mag der See vielleicht 8-10°C gehabt haben…

Firnfeld unterhalb des Ovi dell\'UomoNun – für uns reichte es gerade, um sich einen oder zwei Müsliriegel einzuwerfen – denn der Blick gen Horizont ließ nicht wirklich gutes erahnen. Also wagten wir den Gang zum Ende des Passes, wo tief unter uns die Plano del Canali sich erstreckte. Da hinunter ging es über einen steilen ausgewaschenen Pfad. Nicht wirklich schlimm, aber im Hintergrund gab es bereits ein Donnergrollen. Zusammen mit dem kurzen Hagelschauer der nun herunterkam nicht wirklich einladend.

Auf halber Höhe erspähte ich schon eine Felsnische, die ich als kurzzeitigen Rastplatz auserkoren hatte, falls das Wetter schlimmer werden sollte, denn Leon und Paul hatten schon beträchtlich Muffensausen vor dem Gewitter.

Anstieg zum Passo delle ColombeZum Glück zog das Gewitter gen Osten ab und wir konnten – bis auf den immer noch fallenden Regen – unseren Abstieg unbehelligt fortsetzen. In der Ebene angekommen bemerkte ich bereits eine Gruppe, die in dem Moment den Abstieg begann – noch nicht wissend, daß die uns bald überholen würden…

So langsam aber sicher machte das feuchte Gras der Alpwiesen und das Wasser auf dem Wanderweg unseren Schuhen zu schaffen – imprägniert hatte ich die Dinger zwar vor dem Urlaub, aber augenscheinlich nicht gut genug. Er fing an feucht im Schuh zu werden – ein echtes Ärgerniss…

Blick ins SegnatalDa wir ja bereits dachten wir hätten auf der Ebene den Abstieg bereits geschafft, und es würde jetzt wieder straight rüber zum Pass gehen, empfanden wir beide die Tatsache, daß es noch weiter herunter bis zur Alpe Gana gehen sollte als weniger witzig – vor allem, weil wir somit unsere Starthöhe bereits um 200m unterschreiten würden. Dusseliger Rother-Wanderführer…die 590 Höhenmeter, die dort angegeben wurden, haben sich – laut Garmin – im Endeffekt auf 1.500 Höhenmeter summiert…

Na, lange Rede, kurzer Sinn – auf dem Weg herunter überholte uns die oben erwähnte Gruppe – eine Familie mit 4 Buben, die uns munter passierte – ohne grossartiges Marschgepäck und nur Papa mit Wanderstock àlà Alp-Öhi. Ja, so ist das, wenn man alt wird…

See auf der PasshöheVon der Alpe mussten wir dann wieder hoch zum Lukmanier aufsteigen – quer durch eine gerade genutzte Kuhweide, worauf wir natürlich in der Nähe der Viecher unsere Jungs an die Leine nahmen. So mancher Stein erwies sich als (halb) getrockneter Kufladen, aber wir kamen letztendlich doch wieder oben an.

Oben fassten wir den Entschluss im Konsum in Curaliga neben den wichtigen Sachen wie Kerzen und Kaminanzünder auch eine Flasche Rum zu besorgen – für Rum-Tee…

Gesagt getan – im Konsum wurde neben den wichtigen Sachen für’s “Überleben” auch noch die nicht minder wichtigen Sachen eingepackt, wie Bier und Rum – und natürlich ein paar saftige Stücke Fleisch für’s Abendessen, denn das hatten wir uns – unserer Meinung nach – verdient…

Blick ins Valle Santa MariaAuf der Hütte angekommen war Omas Ofen schnell an – dank des Kaminanzünders – und auf dem lodernden Feuer das Wasser ebenfalls schnell heiss. Rum rein, Teebeutel dazu – und fünf Minuten später befanden wir uns wieder in Einklang mit der Natur…

Das Abendessen war vergleichsweise ein Festschmaus, und nach 2-3 weiteren Tassen “Tee” waren wir auch relativ schnell bettfertig. Sorgen machten uns nur die Schuhe, die im Verlaufe des Tages doch recht feucht geworden waren…aber dazu morgen mehr…

Distanz insgesamt: 13,49km
Minimale Höhe: 1.775m
Maximale Höhe: 2.389,97m
Anstieg: 1.539m
Abstieg: 1.542m
Maximaler Anstieg in Prozent: 51,06% oder 27°
Maximaler Abstieg in Prozent: 132,87% oder 53°

Über der Passo Colombe

Über Georg

Who needs luxury….?

Kategorie(n): Berge, Hunde, Urlaub, Wandern
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