Aufstieg zur Medelser Hütte

Durch das Val PlattasHeute morgen wurden wir schon um sechs Uhr wach – die Sonne war gerade eben erst hinter den Bergen aufgegangen. Eigentlich hatten wir heute vor mit der Seilbahn in Disentis auf den Caischavedra zu fahren um von dort aus eine Wanderung unterhalb des Piz Cavardiras zu unternehmen.

Die Seilbahn würde allerdings frühestens um halb zehn starten – eigentlich zu viel Zeit – also beschlossen wir kurzerhand eine andere Tour zu nehmen, für die dieses frühe Wachsein ein Vorteil wäre. Die Strecke zur Medelserhütte stand mit 8 Stunden im Wanderführer – reine Laufzeit. Pausen und Warten auf die Hunde würden das schnell auf 10 Stunden verlängern.

Baden im "Rheinwasser"

Nach obligatorischer Morgentoilette (Wasser holen, Waschen, etc.) und einem ausgiebigen Frühstück wurden die Rucksäcke gepackt und im Auto verstaut. Wir fuhren nach Curaglia runter und stellten den Wagen nahe der Kirche auf einen Parkplatz. Hier kam uns schon der erste Wanderer entgegen, der – gemessen an der Ausrüstung – wohl gerade von der Medelser abgestiegen sein musste (es war kaum halb neun – folglich muss er schon gegen sechs gestartet sein….Respekt…).

Der Asphaltweg zog sich recht lang in das Val Plattas bis die letze Brücke über den Rein da Plattas das Ende der Befahrbarkeit markierte. Nicht das der Weg nicht seine Reize hatte – das wuchtige Tal, das sich der Gletscherbach hier geschlagen hatte war ziemlich eindrucksvoll – aber das Laufen auf Asphalt ist nicht wirklich der wahre Jakob…

Brücke am Stavels Veders

Der Weg zog sich nun sanft, aber unaufhörlich ansteigend am Gletscherbach entlang – schon seit einigen Kurven bestimmte der Medelsergletscher am Horizont unser Blickfeld – eine eindrucksvolle Kulisse. Aber irgendwie sah mein rechter Unterarm etwas seltsam aus – er hatte sich wässrig um die Hälfte vergrössert. Irgendein Flugviech mußte mich gestochen haben – anders war das kaum zu erklären.

Kleiner Vermerk für später – Fenistil gehört in die Marsch-Apotheke…

Nun, was tun – während ich meinen rechten Unterarm in einer Badewanne mit kaltem Gletscherwasser kühlte (ja, Badewanne – die stand dort als Viehtränke herum), badete Paul neben mir komplett darin. Für ihn wie für mich bestimmt eine willkommene Abkühlung…aber mit dem ganzen Körper in 5 Grad kaltem Wasser…

Blick zur Medelser Hütte

Unterhalb des Stavels Veders reichten die gelegenlichen Abkühlungen nicht mehr aus. Also nahm Anja Ihr Reserve-Shirt aus dem Rucksack, tränkte es im kalten Wasser und band es mir um den Unterarm – eine Wohltat. Wofür so ein Arcteryx-Shirt doch alles gut sein kann…

So stiegen wir am Stavels Veders über die schmale Brücke über den – ja, auch hier wieder – Rhein. Unter uns toste dieser Gletscherbach, so daß man meinte man hätte eine Autobahn in der Nähe – ein Geräusch, was sich hier oben recht häufig fand. Schöner als die A3 aber allemale…

Über sumpfige Wiesen ging es dann in Richtung der Alp Sura. Nach dem zwar nicht allzu steilen, aber doch recht langen Weg eine willkommene Ebene.

Kleiner Vermerk für später – manchmal sehen getrocknete Kuhfladen aus wie Steine – nicht drauftreten !

Aufstieg zur Medelser Hütte

Nun hatten wir schon fast 700m Aufstieg hinter uns – und das recht unspektakulär. Bis zur Medelser Hütte war es nicht mehr weit – man konnte sie sogar schon sehen. Laut GPS kaum 1.5km – aber 500 Höhenmeter…

Zunächst ging es die gewohnten ausgetretenen Wasserrinnen hoch – manchmal etwas steil, aber im Prinzip völlig problemlos. Kurz vor dem Ende dieser Passage begegneten wir tatsächlich einem Wanderkollegen, der gerade im Abstieg begriffen war. Hier oben nimmt man sich halt die Zeit für ein Schwätzchen – erst Recht, wenn so wenig Leute unterwegs sind…dumm war nur, daß er meinte es würde noch um ein Erhebliches anstrengender später…

Grüsse an den Unbekannten – ich glaube er kam aus Österreich – vielleicht sieht man sich ja mal wieder…

Blick zurück ins Val Plattas

Die Ankündigung sollte bald Realität werden. Wenige hundert Meter später wurde aus dem Wiesenuntergrund eine Geröllhalde. Eigentlich typisch für ehemalige Gletscherregionen – hätte man ja vorher wissen können…aber nicht mal der Rother schreibt darüber…

Während wir die teils steilen Felsbrocken emporklimmen versuche ich mir vorzustellen, wie schön und ebenmäßig es hier noch vor einigen Jahrzehnten ausgesehen haben mag, als der Gletscher noch bis hier herunter langte…

Die Medelser Hütte

Schön zu sehen, daß unsere Jungs einen Heidenspaß daran haben diesen anspruchsvollen Parcours hochzulaufen. Meist muß man ihnen nicht einmal den Weg aufzeigen – sie finden den besten oft genug allein. Kein Vergleich zum letzten Jahr, als man noch viel vorgeben musste – richtige Bergfexe sind sie geworden.

Auf dem GPS steht nur noch 150m Luftlinie bis zur Hütte – aber die vermeintlich erlösende Fuorcla da Lavaz ist noch immer nicht erreicht – nur eine kleine Scharte “zwischendrin”. Anja ist schon ziemlich fertig und wir pausieren erstmal kurz – immer wieder schleicht sich der Gedanke ein, daß wir hier ja auch wieder runter müssen – aber es ist erst halb eins…

Anja, Leon und Paul vor dem Medelser

Auf der Fuorcla da Lavaz endlich angekommen begrüsste und weit oben schon Yuma (ich hoffe ich habe das richtig in Erinnerung und auch richtig geschrieben), die Hündin des Wirtes – Herrn Arnaldo Semadeni. Obwohl der Steilhang zur Hütte bestimmt noch 20-30m betrug machten sich unsere beiden Jungs auf, um Ihre Artgenossin zu begrüssen – wie oft findet man hier oben auch schon mal einen Hund…

Herzlich begrüsst von – ach herrje, ich habe den Namen vergessen – einer netten jungen Dame, fühlten wir uns direkt gut aufgenommen – auch, wenn meine erste Frage lautete “Habt Ihr hier oben Fenistil ?”… Sie hatten…und bald schwoll mein rechter Unterarm auch wieder etwas ab…

Herr Semadeni, die Jungs und wir auf der Terasse der Medelser Hütte

Was für eine Wohltat hier oben auf über 2500m barfuss herumzulaufen, ein frisch gezapftes Bier in der Hand – und eine der schönsten Aussichten, die man sich vorstellen kann. Essen wollten wir auch – klar – und das Grösti schmeckte hier oben vermutlich wie anderswo ein 5-Sterne-Menu.

Hier oben merkte ich einmal wieder, daß es wirklich schade ist, wenn man nur 1-2 Stunden Zeit zum Verweilen hat. Gerne wäre ich länger geblieben – auch über Nacht – aber unsere Jungs sind halt verwöhnt und wollen stets bei uns schlafen – und das geht nunmal nicht allerorts…

 

Leon und Paul auf einer Gletscherzunge

So packten wir gegen halb drei wieder unsere Rucksäcke und verabschiedeten uns von Herrn Semadeni und seiner (leider namenlosen) Helferin. Ein Abschiedsphoto noch und das Versprechen auf jeden Fall wiederzukommen…na ja, selbst wenn es in ein paar Jahren sein sollte – ich denke es kommt nicht oft vor, daß zwei Leute mit zwei Labradors hier zu Besuch kommen – der Wiedererkennungswert sollte auf jeden Fall gegeben sein…

Der Weg runter gestaltete sich irgendwie als völlig problemlos – entweder weil frisch gestärkt, oder weil man das Gelände ja vom Aufstieg her kannte…Leon und Paul machten sich auf jeden Fall einen Spaß daraus Kurs auf eine recht grosse Gletscherzunge zu nehmen, um sich dort inbrünstig zu wälzen…

Der Weg über ein Firnfeld zurück...

Nach einer knappen 3/4-Stunde waren wir schon wieder unten auf der Alpe – nebenbei bemerkt, der Rother sieht hier von hier aus noch den Rückweg über die Fuorcla dalla Buora vor. Ich persönlich hätte den steilen Aufstieg heute nicht mehr gehen wollen…

Der Weg weiter hinunter nach Curaglia zog sich immens – man mochte kaum glauben, daß wir den heute morgen so problemlos hochgelaufen waren. Die Strecke zieht sich immerhin über gut 6 Kilometer…

Der Abend ist schnell erzählt – Abendessen und ein gutes Bier, ein wenig den Tag Revue passieren lassen – und pünktlich zum Sonnenuntergang in die Koje fallen. Und das alles in “unserem Hexenhüsli”…

Distanz insgesamt: 16,40km
Minimale Höhe: 1.310m
Maximale Höhe: 2.526,48m
Anstieg: 1.453m
Abstieg: 1.403m
Maximaler Anstieg in Prozent: 47,78% oder 26°
Maximaler Abstieg in Prozent: 61,68% oder 32°

Höhenprofil

Entfernung Zeit Aufstieg Abstieg
1 0.000 km 0s - -
2 1.005 km 19m 34s 212 m 56 m
3 1.005 km 19m 25s 117 m 1 m
4 1.001 km 21m 17s 115 m 5 m
5 0.991 km 38m 14s 171 m 2 m
6 0.998 km 25m 01s 158 m 50 m
7 1.006 km 32m 13s 100 m 25 m
8 0.999 km 41m 44s 243 m 34 m
9 1.008 km 46m 35s 231 m 8 m
10 0.991 km 1h 58m 30s 57 m 102 m
11 1.002 km 37m 21s 10 m 279 m
12 0.994 km 31m 08s 3 m 172 m
13 1.007 km 24m 24s 10 m 71 m
14 1.001 km 22m 30s 0 m 156 m
15 0.998 km 19m 21s 0 m 140 m
16 1.006 km 14m 50s 29 m 128 m
17 1.001 km 16m 24s 1 m 126 m
18 0.411 km 6m 30s 1 m 54 m
16.425 km 8h 55m 01s 1458 m 1409 m

Track zur Medelser Hütte

Über Georg

Who needs luxury….?

Kategorie(n): Berge, Hunde, Wandern
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2 Antworten auf Aufstieg zur Medelser Hütte

    Erika Zarrabi sagt:

    Hallo, habe gerade mit Spannung Deinen Bericht gelesen. Bin gestern aus Disentis zurückgekommen…ohne zur Medelser Hütte gegangen zu sein; es war aber immer mein Wunsch. Da aber bereits die Touren zur Rheinquelle und vom Lukmanierpass zum Lai Blau die Grenze meiner Beine war, bleibt Deine Tour wohl ein Traum für mich. Kann dank des schönen Berichts und der Bilder jetzt aber besser träumen…..Frage mich immer, wie die Hütten versorgt werden! Denke mit dem Hubschrauber, oder?

    Gruß Erika Zarrabi

  1. Hallo Erika,

    das letzte Stück ist in der Tat beschwerlich – aber machbar Smilie: ;-) Versorgt wird die Hütte per Heli – der startet immer vom Lukmanier. Das konnten wir von unserer Almhütte immer gut mit dem Fernstecher verfolgen.

    In welchem Zustand war denn der Weg von der Rheinquelle zum Oberalppass – als wir Mitte Juni da waren, war’s eine Katastrophe. An vielen Stellen war der Hang samt Weg abgerutscht und daher etwas “unwegsam” – von den vielen Schneefeldern mal ganz zu schweigen Smilie: ;-) (siehe hier).

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