Eine tolle Herausforderung wollten wir uns ja noch genehmigen in diesem kleinen Zusatz-Winterurlaub. Auf jeden Fall auf die Kanzelwand herauf fahren, und dann möglichst spektakulär herunter. Ausgesucht hatten wir uns eigentlich einen Weg, der uns unterhalb des Schüsser eigentlich direkt wieder nach Hirschegg bringen würde…..aber erstens kommt es anders…na ja – ihr wisst schon.
Spektakulär war ja eigentlich schon die Parkplatzsuche – wir wären besser gleich zu Fuß nach Riezlern laufen können – das wäre letztendlich doch schneller gewesen. Aber sei’s drum – gegen zehn Uhr waren wir dann doch an der Kanzelwand-Talstation. Leider ohne Leon und Anja, weil Leon mit seiner Keule den Weg kaum hätte laufen können….
Der erste Spaß stand bevor – mit den ganzen Ski-Junkies zusammen in der Schlange ging es im Gänsemarsch durch die Talstation – Phantasialand lässt grüßen. Immer wieder darauf achtend, daß wir in den Windungen der “Abfertigungshalle” keine direkte Begegnung zwischen den Hunden bekommen. Bei der Masse an Menschen, der Enge und dem daraus resultierenden Druck für die Hunde wäre eine Konfrontation auf so schmalem Raum wohl kaum erquicklich für die Mitreisenden gewesen.
Chris und Tom schnappten sich eine Gondel genauso wie Micha und Giacco. Nun waren wir an der Reihe – ich hüpfe mit Paul in die nächste Gondel und hoffe vergeblich auf eine bequeme Fahrt. Weit gefehlt – zwei weitere Pärchen mittleren Alters drängen zu uns in die Gondel – na ja, für 6 Personen ist sie ja auch gedacht….
So richtig sicher waren die sich beim Einstieg aber nicht – musternde Blicke auf Paul und mich…..und die unausweichliche Frage:
Sind sie von der Bergrettung ?
Na ja – wir kennen das ja schon aus der Ramsau – der Paul mit Geschirr, auf
dem “Begleithund” steht – und ich von oben bis unten in rot – mit GPS am Schulterriemen des Rucksackes (was der ein oder andere immer wohl noch für ein Funkgerät hält…).
Aus tiefstem Respekt vor der Arbeit der Bergretter muß ich dann nach wie vor meinen inneren Schweinehund überwinden um diese Frage nicht doch zu bejahen….na ja – wenigstens sind sie interessiert….Das macht dann auch die Fahrt auf den Gipfel einigermassen erträglich, denn die angeregten Gespräche über Sinn und Zweck unserer Bergfahrt kaschiert ein wenig die etwas rucklige Fahrt mit der Bahn, für die ich nach wie vor noch nicht recht empfänglich zu sein scheine – scheiß Technik – Ick vertrau Dir nicht !
Oben angekommen wuchten wir zwei uns elegant aus der Kabine und streben dem Ausgang entgegen, währen ich mit meinen Rucksack wieder überwerfe. Oben auf dem Plateau erwarten mich schon Chris und Micha. Chris deutet auf die Richtung, die wir eigentlich im Sinn hatten. Ich mustere den Parcours und gebe Chris zwei Punkte zu bedenken:
- Der Weg führt über den Parcours,der nur für die Ski-Freaks da ist
- Der Anstieg auf den nächsten Sattel Richtung Hirschegg sieht nicht wirklich lustig aus
Chris nimmt sich die Worte wohl zu Herzen und begibt sich in Richtung der Gipfelwarte um einen Fachmann zu interviewen. Im Hintergrund spielt sich fast unbemerkt ein kleines Highlight ab, das alsbald ein großes Gelächter der geneigten “Zuseherschaft” nach sich zieht.
Ein Touren-Skifahrer kommt auf das Plateau, nimmt seinen Airbag-Rucksack (wirklich wichtig, wenn man das fährt, was die Jungs und Mädels fahren !) und lässt ihn legere zu Boden fallen – es knallt – und der Airbag geht auf. Großes Gelächter auf der einen Seite und betretene Miene auf der anderen Seite – na ja, wieder soundsoviel hundert Euro im Eimer…..
Während Chris noch unterwegs ist, unterhalte ich mich mit einem der Tourengeher, der mir einen sinnvollen Weg herunter beschreibt, der für uns mit unseren Schneeschuhen passabel zu laufen sein müsste – und obendrein wohl die einzige Möglichkeit zu sein scheint, die hier und heute erlaubt ist…
Seine Beschreibung deckt sich mit dem, was Chris vom Streckenwärter in Erfahrung bringen konnte – die tatsächliche “Wegbeschreibung” bleibt jedoch etwas schwammig, so daß ich vorschlage den Weg so zu laufen, wie es der Sommerwanderweg in etwa vorgibt.![]()
Gesagt – getan – auf den ersten paar hundert Metern brauchen wir das GPS nicht – der Weg ist ziemlich eindeutig……es geht schnurstracks über den Gipfelgrat hinunter zur Gehrenspitze. Extrem schmal (max. 50cm breit) und meist hangseitig abgleitend, da hier vermutlich nur Ski-Tourengeher unterwegs sind – wir sind vermutlich die ersten in diesem Winter, die hier mit “ordinären” Schneeschuhen unterwegs sind….
An dieser Stelle möchte ich kurz meinen Dank und Respekt an alle Ski-Tourengeher aussprechen – Ihr wart alle sehr umsichtig und sehr geduldig – prima, daß es auch im Berg ein so feines Miteinander geben kann.
Links und rechts des Grates fiel der Berg recht steil ab – rechts ins Schmiedebachtal, links herunter zur Skitrasse – letztere allerdings mit Lawinensicherung – beides aber mit extremen Abfällen.
Hier zeigte sich schnell, daß sowohl Tom als auch Giacco noch nicht viel im verschneiten Gebirge unterwegs waren. Während sich Paul artig und tapfer hinter mir hielt, nahm Chris den lieben Begrüssungs-Tom an die Leine – Respekt, daß Chris das in dem Gelände konnte – ich hätte Paul an der Leine nicht führen können beim dem schwierigen Terrain – so ging es wohl auch Micha, der Giacco frei laufen ließ. Der hingegen war jedoch nicht gewillt in der Nähe von Micha zu bleiben, was in Anbetracht einer Lawinenwarnstufe 3 bei Micha nicht gerade Wohlwollen hervorrief…
An der Gehrenspitze angekommen, hatten wir auch das Highlight der Tour erreicht – hier war kein Tourengeher außer uns (die letzten Tage) vorher gewesen – wir genossen den grandiosen Ausblick bei Kaiserwetter und erfreuten uns an dem – wie sagt man im Rother – phantastischen Tiefenblick…
Nun aber kam der spannende Teil….wie geht es von hier aus herunter….kein ausgetretener Pfad, keine erkennbare Wegmarkierung – und steil ist es ohnehin überall…
Während Chris noch auf seinen Instinkt vertraute, zog ich das GPS zu Rate und empfahl einen Weg “durch die Mitte”…sind wir mal ehrlich – alle Wege wären heftig gewesen – schliesslich war alles mit 50cm Neuschnee bedeckt…..
Also ging es den Berg herunter (wir hatten ja noch 800 Höhenmeter Abstieg vor uns) – mit jedem Tritt hatte man eine Quasi-Lawine unter den Schneeschuhen.
Für Micha war es gelinde gesagt desaströs – seine Schuhe boten kaum Halt in dem weichen Schnee und brachten ihn alle 20-30 Meter zu Fall – meist harmlos, machmal aber auch bestimmt sehr schmerzhaft. Letzteres bewog mich dann auch dazu einerseits keine Witze mehr zu machen (was echt schwierig für mich ist !) und ihm andererseits zu empfehlen lieber kontrolliert einige hundert Meter auf dem Hintern zurückzulegen, als unkontrolliert ein paar 10 Meter….![]()
Micha war förmlich außer sich wie ich ihn sonst noch nicht gesehen hatte – verständlich, da nicht mal Giacco ihm in dem Moment die Stange hielt – der machte sich wo immer es möglich war dahin auf, wo er nicht mehr zu sehen – geschweige denn zu kontrollieren war…
Nun musste ich eh immer als letzter gehen, um eine Konfrontation zwischen Paul und Giacco zu vermeiden – so nahm ich dann die Aufgabe an auf Micha aufzupassen, so gut es mir denn überhaupt möglich war, und verkniff mir neunmalkluge Tips, die Micha in den Momenten eh nicht gebrauchen konnte.
Dann und wann half ich ihm mit meinem Stock aus einer präkären Situation oder empfahl ihm hin und wieder den “besseren” Weg zu “gehen”….Chris hatte schon ein wenig Vorsprung herausgelaufen – wohl aus zwei Gründen – zum einem, weil er sich wohl schuldig fand an dem “Desaster” (was sowohl Chris als auch mir trotzdem Spaß machte) – zum anderen, weil Giacco sich ein wenig an Tom orientierte, so daß wenigstens Chris Giacco “kontrollieren” konnte.
Mittlerweile rächte sich die Tatsache, daß wir Micha ohne vernünftige Ausrüstung auf die Tour mitgenommen hatten – er hatte Jeans an – wohl mit Gamaschen – aber was hilft das, wenn man wegen der Billig-Schuhe (Mea Culpa, Micha) ständig den Weg in den Tiefschnee findet. Michas Jeans war schon ziemlich nass und man sah ihm an, das das nicht mehr wirklich Spaß machte…
Für Chris und mich war es irgendwie problemloser – die Schuhe boten guten Halt – klar, man setzte sich auch mal auf den Hintern, oder rutschte ein wenig den Hang hinunter (wir hatte bis zu 70% Neigung) – aber dann hatte man immer noch die wasserdichte Alpin-Hose an.
An der Riezler Alpe dachten wir dann das schlimmste schon hinter uns zu haben, was ja prinzipiell – also technisch gesehen auch stimmte…dennoch waren es noch fast 400 HM bis nach Riezlern herunter.
Giacco hatte nun wieder etwas mehr Bindung zu Micha, was den Weg etwas einfacher zu machen schien – aber dann sah ich etwas, was auch heute noch quasi in Zeitlupe vor dem inneren Auge abläuft….:
Micha’s rechter Schneeschuh gleitet rechts den Hang herab, weil er nicht richtig fest eingetreten hat. Nach einem kurzen abrutschen stockt die Abwärtsbewegung und kommt zum Stillstand – im gleichen Moment hebt sich das linke Bein von Micha, weil die Distanz wohl zu groß geworden ist und Micha kippt vornüber den Berg hinunter und setzt zum Salto an – tatsächlich landet er irgendwie nach einem kompletten Überschlag auf dem Hintern im Schnee.
Während ich noch verdutzt schaue, eilt Chris schon herbei, um Micha einen Weg zu spuren, auf dem er den verschneiten Abhang wieder hochkommen kann….das – habe ich noch nicht gesehen….![]()
Hinter einem kurzen Wäldchen erschöpft sich dann die Auskunftsfreude meines GPS – wir müssen die Buckelpiste herunter – 200 HM über einen steilen Hang, der von Tourengehern als Abfahrt genutzt wird……nun denn..
Wir legen die letzten Meter teils im Ski-Verfahren (gleiten mit den Schuhen) oder auf dem Hintern (Micha) zurück…..wie schon den ganzen Weg zuvor wundere ich mich über die stoische Gelassenheit, mit der Paul den Weg absolviert hat….
Ein kurzer Weg noch bis zum Parkplatz – Micha suchte schon nach einer Mülltonne für seine Schneeschuhe….
Nach einer guten Stunde und bei einem Weizen verstand Micha auch wieder das ganze mit ein wenig mit Humor zu nehmen – eine Eigenschaft, die man ihm nur zu gute rechnen kann – denn – ja, jeder entscheidet selbst, auf welchen Weg er sich begibt, aber alle mitlaufenden sollten ihre Erfahrungen in die Entscheidungsfindung adäquat mit einbringen…
Fazit: Micha – You survived…
Technische Daten:
- Gesamtstrecke 4,2km
- Höchster Punkt 1968m
- Niedrigster Punkt 1075m
- Aufstieg 199m
- Abstieg 1069m
- steilster Anstieg 21% = 11°
- steilster Abstieg 153% =56°
Track:

