It is not the mountain we conquer but ourselves
– Sir Edmund Hillary -
Dieser Sinnspruch lief mir gestern beim Lesen über den Weg, und im Nachhinein betrachtet beschreibt er die Erlebnisse dieser Tour recht treffend. Was das in Bezug auf uns zu bedeuten hat werde ich im Verlaufe der Beschreibungen der folgenden fünf Wandertage immer mal wieder erwähnen. Nur so viel vorweg: In Christoph hatten wir stets einen äußerst fähigen Begleiter an unserer Seite, der uns – zusammen mit dem immensen Gruppengefühl – stets dabei half, unsere ganz persönlichen Berge zu überwinden.
Wir starteten gegen 08:45 am Hotel Pragser Wildsee um unseren ersten Tag in Angriff zu nehmen. Hinter den Bergen lugte bereits die Sonne hervor um uns mitzuteilen, daß der erste Abschnitt mächtig warm werden sollte. Kaum auf der anderen Seite des Sees angelangt fielen daher auch bereits alle Hüllen und die meisten liefen im kurzen Shirt weiter – das das trotz LSF20 oder LSF50 eine saublöde Idee sein sollte, merkten wir erst später…aber ein wenig Scheuern der Schultergurte des Rucksackes auf Sonnenbrand kann ja auch was feines sein…
Aber da wir ja den vorigen Tag schon mit netten kleinen Faux-Pas begonnen hatten, wäre es ja
auch vermessen zu glauben, daß heute nicht noch ein paar folgen sollten. So reihte auch ich mich ein in die Reihe derer, die sich die flache Hand vor die Stirn hauen sollten. Nach knapp 100m Aufstieg mochte ich nicht mehr so recht glauben, daß Paul sich in der Spitzengruppe tummeln sollte – üblicherweise weicht er kaum mehr als wenige 10m von meiner Seite. Als ich endlich Kontakt zu den Voranlaufenden hatte war meine ganz persönliche Panik perfekt. Ich schmiss meinen Rucksack in die Ecke und rannte an der nachfolgenden Gruppe Franzosen vorbei, deren fragende Blicke ich mit einem beängstigten “mon chien!” beantwortete.
Als ich schon fast wieder untem am See angekommen war, trabte mir mein kleiner Schatz mit einem seeligen Gesichtsausdruck entgegen – er hatte wohl seelenruhig hier unten gewartet – frei nach dem Motto: “Bis jetzt hat mich noch immer jemand abgeholt.” Überglücklich liess ich mich fallen und nahm den kleinen Racker in die Arme – nicht ohne eine kleine Träne zu vergiessen. Wie konnte ich nur so nachlässig sein…
Mit dem beruhigendem Gefühl Paul wieder bei mir zu haben stakste ich eilig wieder hinauf zu den anderen. Nach etwa 200 Metern kam mir Christoph entgegen, der mich nicht alleine auf die Suche gehen lassen wollte und mir daher gefolgt war. Beruhigend zu wissen, daß man nicht alleine ist, wenn Not am Manne ist – das nahm ich hier erstmals wahr.
Oben warteten schon die anderen und Ralph mußte ab hier die technischen Informationen liefern – denn mein Gerät zeigte ab jetzt 70 Höhenmeter Aufstieg und einen Kilometer Wegstrecke zu viel an…wenigstens konnten wir hierdrüber ein wenig lachen.
Erleichtert gingen wir zehn den steilen Anstieg weiter an. Doch auch das sollte noch noch nicht der letzte Schock gewesen sein. Nach fast 400 Höhenmetern bekam die arme Helga Herzrhytmusstörungen. Sie hatte wohl Medikamente dabei, die die Beschwerden wieder ins Lot rückten, aber sie war vernüftig genug den Anstieg abzubrechen. Claus kümmerte sich rührend um sie und half ihr beim Abstieg. Wir sollten beide am Abend wohlbehalten am Zielort vorfinden.
Unterdessen setzten wir unseren Weg bis zur Baumgrenze fort. Hier wechselten die Farben
umgehend von strahlendem Grün nach grellem Steingrau. Wir hatten das Nabige Loch erreicht, durch das wir unseren Weg über viel Geröll fortsetzten. Meine Fersen verlangten bereits nach Tapepflaster, da ich das Gefühl hatte eine Blase könnte sich bald ausbilden….sollte morgen auch so kommen – ich hatte einfach zu warme Socken für den warmen Tag angezogen.
Michael und Daggi hingegen trafen die weise Entscheidung, Giacometi und Rufus die Schuhe anzuziehen. Ich selbst hatte noch Bedenken, da ich der Meinung war die Jungs hätten auf dem Anstieg nicht genug Halt damit. Der Eindruck sollte erst am letzten Tag zweifelsfrei widerlegt werden…
Dann lag die Ofenmauer vor uns – ein Haufen von Steinquadern wies uns den Weg nach oben. Das einzige Hilfsmittel bestand aus einem Metallseil, das an den Steinquadern entlang nach oben gespannt war. Ich dirigierte unsere beiden Jungs vor mir den Weg hinauf – eine Hand am Seil, in der anderen einen der Stöcke, mit denen
ich verhindern wollte, daß die Jungs zu nah an den Abgrund liefen. Das wäre mit Sicherheit nicht nötig gewesen – aber auch die Erkenntnis reifte erst über die Woche – und erst Recht am letzten Tag.
Zu dumm, daß weit über uns bereits eine Gruppe unterwegs war, die wir nicht bemerkt hatten, denn kurz nach dem Anstieg hörte ich von oben nur ein lautes “Stein !” und sah im fast gleichen Moment wenige Meter von mir einen Stein an mir vorbeifliegen. Das hätte bitterbös’ ins Auge gehen können. Heike und Michael waren zu dem Zeitpunkt gottseidank in einer sicheren Ecke. Von da ab waren wir was das anbetraf doch etwas wachsamer.
Oben angekommen war auch schon Rufus direkt bei uns. Er hatte den Anstieg mit Anja zusammen Berg-Gemsen-gleich absolviert. Ein furchtloser Bursche, ebenso wie Giacometi, der mit einer ebensolchen Seelenruhe den Anstieg mit Heike und Michael gemeistert hatte.
Wir dachten nun wir hätten das Rifugio Biella bald erreicht, aber der Weg zum Forcella Sora Forno zog sich noch lange durch schier endlose Geröllhalden. Als wir die Passhöhe dann endlich erreicht hatten, schlug uns ein eisiger Win
d entgegen, so daß alle flugs warme Sachen aus dem Rucksack zogen.
Nach kurzem Abstieg war das Rifugio dann auch erreicht und wir konnten uns zu einem zünftigen Bier und einer kräftigen Mahlzeit setzen. Wir hatten die schweren 900 Höhenmeter in weniger als 4 Stunden bewältigt. Schon ein sehr erhebendes Gefühl…dazu das herrliche Panorama auf die Berggipfel südlich von uns. Da wollten wir ja auch noch lang…
Nach etwas mehr als einer Stunde machten wir uns dann auf den Weiterweg. Ab hier sollte auch Rufus, Leon und Paul ihre Pfoten etwas erholen können, und bekamen daher Ihre Wanderschuhe über – ein Bild für die Götter…
Über die Sennes-Hochebene ging es seichten Weges um den Col de Ra Siores in Richtung
Pederü. Hier hatte man Zeit zu erzählen und entspannt zu laufen. Unterhalb des Colle della Macchina begann dann der steile Abstieg, der seinen Höhepunkt dann auf der Fahrstrasse vom Pederü zum Rif. Fodara fand. Hier ging es dann auf 1.5km Wegstrecke gute 250 Höhenmeter abwärts. Gut, daß man sich ein wenig auf die Stöcke abstützen konnte, denn der Meniskus wollte stets raus, weil er keine Lust mehr hatte…
Im Bach vor dem Pederü konnten dann die Jungs ihre Füsse und im Pederü wir uns mit einem Bier abkühlen. Der erste Tag war geschafft – und bereits so erlebnisreich – was sollte das noch werden….
Per Taxi ging es dann weiter bergab nach St. Vigil, wo wir uns in dem schnuckeligen Hotel Les Alpes endlich ausruhen konnten. Dort trafen wir dann auch auf Helga und Claus. Helga ging es schon wieder richtig gut – und sie wollte mal schauen, ob sie am kommenden Tag wieder mitlaufen würde.
Fazit des Tages: Ich muß mehr auf meine Jungs aufpassen – und kann ihnen doch stets vertrauen.
Technische Daten:
- Gesamtstrecke 16.5km
- Aufstieg 1250m
- Abstieg 1120m
- steilster Anstieg 47%
- steilster Abstieg 37%
Track:


Hallo Georg,
sehr eindrucksvoll beschrieben. Hier wie versprochen meine Eindrücke vom ersten Tag:
Das war ja nun mein allererster Tag in den Bergen. Niemals vorher bin ich auf die Idee gekommen in den Bergen zu wandern.
Daher mussten Ralph und ich auch noch im Vorfeld so einige Klamotten kaufen. Auch hier eine neue Erfahrung: Noch nie habe ich für eigentlich sehr “unschicke” Klamotten so viel Geld ausgegeben. Mein Fleece erwies sich als optimal, aber eigentlich sehe ich darin aus wie “Wurst in Pelle” – so dick bin ich doch nicht.
Beim ersten Aufstieg war Christoph an meiner Seite und hat mir immer wieder gesagt, dass ich zu schnell gehen würde. Also habe ich mein “Tempo” so lange gedrosselt, bis er meinte das wäre gut so. Zum Glück, denn sonst hätte ich wahrscheinlich niemals durchgehalten. Das Tempo von Michael und Heike hätte ich keinesfalls halten können.
An der ersten Weggabelung musste ich auch schon meine Füße tapen. Und das obwohl ich dachte, dass ich meine Schuhe gut eingelaufen hätte. Aber ich bin ja zu Hause auch nicht solche Berge gelaufen.
Rufus habe ich eigentlich kaum geshen, denn er war ja immer vorne bei der Truppe dabei. Als ich dann zur Ofenmauer kam, war ich echt geschockt. Einerseits habe ich mich gefragt, wie Rufus da hoch gekommen ist und andererseits haben mich die Ketten nervös gemacht…
Auf der Seekofelhütte angekommen, war ich schon mächtig stolz, dass ich das geschafft habe. Während des Aufstieges musste ich immer wieder zurückschauen und war immer wieder erstaunt, wie hoch ich plötzlich bin.
Als Ralph und ich in die Hütte kamen, vermissten wir Rufus. Ich dachte schon “muss jeder mal seinen Hund verlieren?”. Ralph und ich sind raus aus der Hütte und haben unseren Hund gesucht und gerufen. Plötzlich meldete dann jemand aus dem Inneren der Hütte, dass Rufus in der Hütte sei. Er ist wohl ziemlich als Erster reingelaufen und hat sich unter einer Bank versteckt – nach dem Motto: “Lasst mich nur in Ruhe – Ihr seid doch alle verrückt”
Auf der Hütte bekam ich einen Anruf von Helga mit der erfreulichen Meldung, dass alles in Ordnung ist und es ihr wieder richtig gut geht. Das hat uns alle natürlich sehr gefreut, weil wir uns echt Sorgen gemacht haben.
Ich persönlich fand den Abstieg nach Pederü auch wieder ziemlich anstrengend. Außerdem musste ich erst mal lernen, wie man überhaupt die Stöcke richtig nutzt.
Mensch war ich froh, als wir vor der Hütte saßen und etwas trinken konnten.
Tag 1 war geschafft!
Schöne Schilderung mit ganz eigenem Stil, (Georg, hast Du schon mal bei “Lonely Planet” angefragt?)
War auch für uns die erste “zu Fuß” Erfahrung in den Dolomiten. Vorher sind wir immer nur mit alten Autos die Pässe rauf und runter gejagt.
Ich war eindeutig nur so schnell, weil ich mein Marathon-Shirt von vor 20 Jahren an dem Tag anhatte.
Heike hat einfach eine gute Kondition und Giaco verschwendet seine Energien nicht mit Prügeleien und Jagten auf Murmeltiere wie Ihr wisst.
Habe den ersten Teil bereits an meine Mutter geschickt, die vor den 2. Weltkrieg öfter in den Dolomiten Ski-Laufen war.
Grüsse, Michael
Sinnsprüche haben was Schönes, genau wie Wanderführer. Das trockene geschrieben Wort hier in uraltem Gestein und Felsformationen real vor sich zu haben ist gänzlich anders.
“Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es” – Erich Kästner
Am nächsten Morgen pünktlich aus dem Bett, die (haarigen) Jungs gutgelaunt neben mir, Georg leicht verpennt, aber motiviert.
Meine Kopfweh und die Übelkeit waren auch noch da – na, das kann ja nett werden, dann erstmal packen und danach frühstücken (besser als gedacht, aber nicht ehrungswürdig).
Und ab auf die erste Etappe, die Sonne schien und die Laune sehr gut – an Motivation mangelte es allen Menschen und Hunden nicht.
Nach den ersten Schritten gewöhnte ich mich an den steinigen Untergrund und trat bewußt atmend mit ganzem Fuß auf. Langsam, aber stetig ging es den Berg in Serpentinen hinauf und dann die Frage:
“Hat jemand Paul gesehen?”
Was für ein Schock, wir haben unseren Kleinen verloren und es erst jetzt nach 100m Aufstieg gemerkt – Schande!
Georg hat sich dann fluggs, mit Christoph auf den Fersen, auf den Weg gemacht den Hund am Berg zu suchen. Meine Erleichterung war groß als der kleine Gauner wieder wohlbehalten in unserer Mitte war, das wird nie wieder geschehen, wir passen auf unsere Gruppe samt Vierbeinern auf.
Nun mußte ich mich wieder auf den Aufstieg konzentieren und darauf nicht zu schnell zu laufen, die Vegetation änderte sich und ich nahm es am Rande war, auch dass wir schon weit oben über dem See waren – ein atemberaubender Ausblick….mal abgesehen von dem Aufstieg….grin.
Dann wurde die Umgebung karg und unwirklich. Grauer, scharfkantiger Dolomitstein und reflektierte Wärme, dazu schwierige Steigpassagen und Steinschlag – aber immer fleißig und mutig vorraus, ich fand die Leristung der Gruppe, leider zu diesem Zeitpunkt schon ohne Helga und Claus, bemerkenswert.
Was ich besonders erwähnenswert finde ist Christoph, der wie eine Gamms mal vor mal hinter mir war, mir gut zuredete und dann wieder Dagmar Unterstützung bot. Ich glaube er hat den Weg bestimmt zweimal hinter sich gebracht und überall wo er gebraucht wurde, zum richtigen Zeitpunkt, Hilfestellung geboten. Einen besseren Begleiter hätten wir nie finden können.
Nach der Ofenmauer behielt ich Rufus (den kleinen Türkenhundejungen…grin) eng bei mir, aus Sorge er könnte auf die Idee kommen Dagmar entgegen, über die Ofenmauer zurück zulaufen – eine grausige Vorstellung.
Auf dem Sattel angekommen war mein Stolz über die erbrachte Leistung grenzenlos – ich, Zweitname Couchpotatoe – bin hier Oben aus eigenem Willen und Antrieb. Der kalte Wind und die schnelle Abkühlung holte mich jedoch schnell wieder in die Realität zurück und so ging es, nach einer Kleiderlage mehr am Leib, flott zum Rifugio um gut zu essen und zu trinken.
Unsere Jungs haben sich einfach klasse verhalten und nach und nach ihre Kräfte eingeteilt, aber ausgelassenes Spiel und Übersprungshandlungen waren nach wie vor noch möglich.
Der Rest der Strecke ging durch sanfte, grüne Hügel mit grauen Steinblöcken und Wegen mit mehr oder weniger Steigung und Gefälle auf den Zielgasthof zu und den letzten Abstieg brachten meine Füße eher schlecht als recht hinter mich – ich hatte meine Stiefel zu eng geschnürt und bin ums Verrecken nicht drauf gekommen die Schuhbänder zu lockern. Mich wundert, daß ich mir nicht eine Blase gelaufen habe, und daß ich den schweren Rucksack (schätze 8-9 kg) nach einer Weile nicht mehr wahrgenommen habe.
Die Serpentinen waren gemein und endlos, aber der wunderschöne Ausblick auf den Bachlauf mit dem Rifugio ließ mich weiterlaufen, wie aufgezogen.
Als wir am “Perderü” ankamen und uns auf die Bänke niedergelassen hatten kam es mir vor als ob ich eine ganze Woche an einem Tag gelebt hätte – wir waren da!
Der erste Tag war gewandert!
Das Hotel “Les Alpes” war eine Wohltat für den angestrengten Körper und ein Vollbad tat Wunder. Beim sehr netten und guten Abendessen ließen wir den Tag ruhig ausklingen. Helga ging es besser und der Rest der Gruppe war wohlbehalten am Ziel des ersten Tages.
Übrigens,
habe ich uns alle – einschließlich aller Hunde – auf der Hütte in das Buch eingeschrieben.
Unter der Anleitung von Christoph habe ich also auch aufgeschrieben wo wir gestartet sind und wo der Weg uns hinführt.
Also wenn wir nochmal da sein würden, könnten wir das nachlesen
)
Hallo Ihr Bergfexe
eine kleine einleitung
Ich denke noch Heute , lange nach der Tour an ein tolles Gemeinschaftserlebniss zurück.
Ihr habt es Euch und den Hunden ermöglicht ein so einmaliges Erlebniss zu genießen, durch euren gegenseitigen Einsatz für die Sache und unsere Gruppe.
Ihr könnt mehr !!!!!
Die ersten Vorbereitungen habe ich, wie warscheinlich zu merken war sehr kritisch durchgeführt. Heute, zurückblickend ehrlich gesagt auch etwas übertrieben.
Na Ja, die moralische Verantwortung ist manchmal auch ein Gewicht.
Der erste Tag.
Mir war schon klahr, das er konditionell anstrengend wurde.
Haaaaaaaaaaaaaalt Pause — Die Welpengruppe ruft.
bis gleich !